Lebendtiermarkt

Ein globales Gesundheitsrisiko

Lebendtiermärkte bieten optimale Bedingungen für die Entstehung tödlicher Krankheitserreger und deren Übertragung auf den Menschen

2.5.2021

Die COVID-19-Pandemie zieht weltweit verheerende Folgen nach sich, nicht nur hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die globale Gesundheit, sondern auch wirtschaftlich gesehen – Millionen von Menschen haben ihren Arbeitsplatz verloren und sehen ihre Lebensgrundlage bedroht. Während die Welt gegen die Auswirkungen der Krankheit kämpft, ist es wichtig zu verstehen, wie diese überhaupt erst entstehen konnte, damit zukünftig Massnahmen zur Verringerung des Risikos weiterer Pandemien ergriffen werden können.

Es wird angenommen, dass COVID-19 auf einem Lebendtiermarkt in Wuhan (China) infolge einer Über- tragung des Virus von einem Tier auf den Menschen (Zoonose) entstanden ist. Dass die Bedingungen auf solchen Lebendtiermärkten ein idealer Nährboden für die Entstehung neuer Zoonose-Erreger sind, wird ebenfalls allgemein anerkannt. Viele Pathologen und Virologen haben die zuständigen Behörden darauf hingewiesen, dass diese Bedingungen eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellen. Die COVID-19-Pandemie ist keineswegs der erste Fall, bei dem eine Infektionskrankheit auf die unmittelbare Nähe verschiedener Tierarten unter- schiedlicher Herkunft zu menschlichen Tätigkeiten zurückzuführen ist. Allerdings sind das Ausmass und die zerstörerischen Folgen dieser Pandemie beispiellos. Das wirft die Frage auf, warum nicht bereits früher Massnahmen ergriffen wurden, um die Gefahren solch einer Form des Tierhandels abzuwenden, bei der das Risiko einer Zoonose bekanntermassen hoch ist.

Während in letzter Zeit der Wildtierhandel und -verkauf verstärkt im Blickfeld des öffentlichen und politischen Interesses standen, werden die Gefahren durch den meist illegalen und unregulierten Handel mit Hunde- und Katzenfleisch bis heute weitgehend ignoriert. Und das obwohl sich Beweise häufen, dass er nicht nur zunehmend umstritten ist, sondern auch eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit und das Wohlergehen von Mensch und Tier darstellt. Der Handel umfasst jährlich bis zu 30 Millionen Hunde und Katzen in ganz Asien. Die Mehrheit davon sind streunende Tiere, eingefangen auf der Strasse, oder gestohlene Haustiere. Die Hunde und Katzen werden häufig zu Märkten gebracht, wo sie neben Wildtierarten zur Schlachtung verkauft werden. Neben den Märkten verstösst der Handel allgemein gegen bestehende Gesetze und Vorschriften in Bezug auf die Bekämpfung von Infektionskrankheiten, Hygiene, den grenzüberschreitenden Transport, Diebstahl und Tierschutz.

Das wahre Ausmass des Risikos, das der Handel mit Hunde- und Katzenfleisch für die Gesundheit von Mensch und Tier birgt, ist nur schwer zu beziffern, da der Handel abhängig ist, vom Gesundheitszustand und der Herkunft der gelieferten Tiere sowie von illegalen Praktiken. Allerdings gibt es zunehmend Belege dafür, dass von diesem Handel erhebliche Gefahren für die globale Gesundheit ausgehen – zusätzlich zu den bekannten, direkt beobachtbaren Zoonose-Risiken wie Tollwut und Milzbrand. Klar ist, dass die gehandelten Hunde und Katzen als wichtige Reservoirs für die Entstehung und Verbreitung von Zoonose-Erregern (einschliesslich Viren) dienen. Trotz Warnungen führender Experten aus der Human- und Veterinärmedizin, inter- nationaler Organisationen sowie seitens Epidemiologen wird die überwältigende Mehrheit der Tiermärkte und des Tierhandels in ganz Asien grösstenteils unbehelligt weiterbetrieben. Damit werden Umgebungen geschaffen, die fast identisch sind mit jenen, in denen wahrscheinlich COVID-19 entstanden ist, und die daher unter Umständen Millionen von Menschen Tag für Tag dem Risiko verschiedener Zoonosen aussetzen.

Tierhandel, der auf nationaler und internationaler Ebene Gesundheit und Wohlstand beeinträchtigt, darf nicht länger ignoriert oder als persönliche Entscheidung oder kulturelle Praxis verteidigt werden. Es ist an der Zeit, dass die betroffenen Länder Richtlinien zum Zucht-, Fang-, Verkaufs- und Schlachtungsverbot von Hunden und Katzen einführen und umsetzen. Dadurch soll das Risiko zukünftiger Pandemien minimiert und die Gesundheit sowie das Wohlergehen von Mensch und Tier geschützt werden.

Lesen Sie den ganzen Bericht hier:

Der Handel mit Hunde- und Katzenfleisch: Ein globales Gesundheitsrisiko

Der Handel mit Hunde- und Katzenfleisch: Ein globales Gesundheitsrisiko

VIER PFOTEN Report, Februar 2021

Handel mit Hunde- und Katzenfleisch – eine ignorierte Gefahr für die öffentliche Gesundheit

Millionen von Hunden und Katzen werden jedes Jahr in weiten Teilen Asiens eingefangen, gehandelt und für ihr Fleisch geschlachtet. Angesichts der ernsten Gefahr für die öffentliche Gesundheit, die dieser Handel darstellt, liegt es in der Verantwortung regionaler und nationaler Regierungen auf der ganzen Welt, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die Quellen von Krankheitsaus- brüchen zu beseitigen. Richtlinien und Praktiken, die den Handel mit Hunde- und Katzenfleisch aufrechterhalten, verhindern nicht nur jegliche Versuche die Tollwut auszurotten, sondern können auch zu künftigen Ausbrüchen und Pandemien von Zoonosen führen.

Auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und Empfehlungen von Experten fordern wir die Regierungen in der gesamten Region eindringlich auf, folgende dringende Präventivmassnahmen zu ergreifen:

  • Erlass von umfassenden Gesetzen oder Richtlinien, die alle Aspekte des Handels mit Hunde- und Katzenfleisch verbieten, darunter Schwarzhandel, Verkauf, Schlachtung und Verzehr.
  • Schliessung aller Märkte und Einrichtungen, die Hunde und Katzen für ihr Fleisch verkaufen und/ oder schlachten.
  • Veröffentlichung von Erklärungen über die Gefahren für die öffentliche Gesundheit durch das Schlachten und den Verzehr von Hunden und Katzen.
  • Strenge Massnahmen zur Durchsetzung bestehender Gesetze, Vorschriften und Richtlinien, um den Hunde- und Katzenfleischhandel zu beenden.

Es ist wichtig, dass Regierungen auf der ganzen Welt die Quellen tödlicher Zoonose-Erreger – im Fall von COVID-19 vermutlich ein Markt für lebende Tiere, auf dem Menschen und verschiedene Tierarten in unmittelbarer Nähe zueinander gebracht werden – bekämpfen, um sicherzustellen, dass sie nicht der Entstehungsort der nächsten Pandemie sind.

Hunde im kleien Käfig

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