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Katzen in Vietnam

NeueR Bericht über den Handel mit Katzenfleisch in Vietnam

10.8.2020

VIER PFOTEN und Change For Animals Foundation veröffentlichten im August 2020 eine detaillierte Studie

Katzen spielen eine besondere Rolle in Vietnam: seit Tausenden von Jahren unterstützen sie die Bauern des Landes beim Schutz ihrer Getreidepflanzen und bei der natürlichen Reduktion des Nagetieraufkommens. In der heutigen Zeit haben sie noch eine weitere Rolle in der Gesellschaft übernommen: als geschätzte Familienmitglieder, die viel Freude bereiten, Trost spenden und Gesellschaft leisten.

Diese besondere Beziehung ist jedoch durch den illegalen, grausamen und gefährlichen Handel mit Katzenfleisch bedroht. Jeden Tag werden Tausende von Katzen gestohlen.  Katzenhalter leben in ständiger Angst, dass ihre Haustiere verschwinden. Familien im ganzen Landen suchen verzweifelt nach ihren Lieblingen, die viel zu oft einen grausamen Tod in Schlachthäusern und Restaurants finden. 

Die jüngste COVID-19 Pandemie zeigt deutlich die Gefahren des Handels mit lebenden Tieren auf. Der vietnamesische Katzenfleischhandel zeichnet sich durch ähnliche Bedingungen aus, wie sie in Wuhan herrschten – dem vermeintlichen Ursprung von COVID-19: enge, unhygienische und brutale Haltungsbedingungen unzähliger (teils kranker) Tiere auf engstem Raum. Dies bietet ein ideales Umfeld für die Entstehung neuer Viren. Die weltweite Verwüstung, die COVID-19 sowohl in Bezug auf die Anzahl der Todesopfer, als auch in wirtschaftlicher Hinsicht verursacht hat, sollte uns eine deutliche Warnung sein, dass wir die Art und Weise, wie wir mit Tieren umgehen, dringend überdenken müssen. Darüber hinaus untergräbt der Katzenfleischhandel mit all seinen Praktiken sowie groben Missachtungen der Gesetze alle Bemühungen zur Ausrottung von Tollwut.

Unsere Untersuchungen zeigen, dass sich der Katzenfleischhandel, trotz all dieser Gefahren und Gesundheitsrisiken, in ganz Vietnam ausbreitet. Der Diebstahl, Transport, die Schlachtung und der Verzehr von Katzen sind ohne Zweifel auf illegale Aktivitäten und mangelnde Rechtsdurchsetzung zurückzuführen. Um diesem Geschäft ein Ende zu bereiten, müssen Massnahmen ergriffen werden, wie die Einführung, Verschärfung und Durchsetzung von Gesetzen, sowie die Aufklärung der Öffentlichkeit.

Die Untersuchungen von VIER PFOTEN und der Change For Animals Foundation zum Handel mit Katzenfleisch in Vietnam, sowie Empfehlungen für Massnahmen zum Tierschutz und zum Schutz der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit finden Sie in unserem Report.

Lesen Sie hier den gesamten Bericht (komprimierte Auflösung):

Hier finden Sie den Bericht in einer besseren Auflösung (5 MB). Bitte beachten Sie, dass das Laden dieser PDF-Datei etwas länger dauern kann (dies ist abhängig von Ihrer Internetverbindung):

Hinweis: Bei Ansicht dieses Videos eventuell auftauchende Werbeeinblendungen stehen in keinem Zusammenhang mit VIER PFOTEN. Wir übernehmen für diese Inhalte keinerlei Haftung.

Kurze Zusammenfassung

Die genauen Ursprünge des Verzehrs von Katzenfleisch in Vietnam sind unbekannt. Erfahrungsberichte deuten jedoch darauf hin, dass Katzenfleisch besonders in den letzten zehn Jahren an Popularität gewonnen hat. Was als relativ kleiner und überschaubarer Handel im Norden des Landes begonnen hat, ist heute ein komplexes internationales und provinzübergreifendes Handelsnetzwerk, das sich über Entfernungen von mehr als 1'000 km erstreckt. Diese Netzwerke verbinden Sammelplätze, Restaurants und Schlachthäuser und bringen den Beteiligten beträchtliche Gewinne.

Katzenfleisch, auf Vietnamesisch als «thịt mèo» oder «kleiner Tiger» bezeichnet, ist heute in ganz Vietnam erhältlich. Die damit verbundene Grausamkeit und das Leid, dem über eine Million Katzen in diesem Handel ausgesetzt sind, ist unermesslich. Der brutale Diebstahl, die lang andauernden Transportwege, die beengten Haltungsbedingungen und am Ende die grausame Schlachtung, sind für die ohnehin sensiblen Katzen besonders qualvoll.

Die am Handel Beteiligten wollen vor allem eines: Gewinn machen. Dabei verstossen sie gegen Gesetze und Vorschriften, die den Handel eigentlich verbieten sollen, die aber meist kaum oder gar nicht exekutiert werden. Im Gegensatz zum vietnamesischen Hundefleischhandel, der weder explizit illegal noch reguliert ist, gibt es eine ausdrückliche Gesetzgebung, welche die Jagd, Schlachtung und den Verzehr von Katzen verbietet. Diese Richtlinie war vom Premierminister 19981 erlassen worden und bis 2020 gültig. Aufgrund der schwachen Kontrollen ging der Handel mit Katzenfleisch jedoch ungebremst weiter. Die Situation scheint aussichtslos, da Beweise vorliegen, dass viele, die für die Durchsetzung der Gesetze verantwortlich sind (Polizei und Anti-Korruptionseinheiten) selbst in dem Handel involviert sind und Katzenfleisch konsumieren.

Der Diebstahl von Katzen und Hunden in Vietnam ist allgegenwärtig. Durch die dezimierten Katzenpopulationen in einigen Regionen sind die Preise für Katzenfleisch gestiegen, weshalb die Händler zunehmend aggressiver agieren. Das wiederum führt zu gesellschaftlichen Unruhen und zu Gewalt. In extremen, aber immer häufiger auftretenden Fällen, ist sogar Selbstjustiz in Form von schweren Körperverletzungen oder sogar Tötungen durch wütende Haustierbesitzer die Folge.

2019 gaben VIER PFOTEN und die Change For Animals Foundation (CFAF) eine landesweite Recherche zu Vietnams Katzenfleischhandel in Auftrag. Dieser bislang einzigartige Bericht zeigt den Handel im Detail auf und bringt schockierende Ergebnisse zum Vorschein:

  • Während der Hundefleischhandel durch die Medien durchaus bekannt ist, betrifft auch der Katzenfleischhandel jährlich über eine Million Tiere. Insbesondere schwarze Katzen stehen wegen ihrer angeblich heilenden Wirkung im Fokus.
  • Der Verzehr von Katzenfleisch wird immer beliebter und es wird schwieriger, genügend Katzen zu beschaffen, um die Nachfrage zu befriedigen. 
  • Um die nationale Nachfrage zu stillen, werden Katzen, viele davon Haustiere, von der Strasse oder aus Häusern gestohlen. Anschliessend werden sie über weite Strecken, manchmal sogar tagelang, transportiert. Die Bedingungen sind grausam und viele Katzen sterben an Hitzschlag, Erschöpfung oder an den Verletzungen, die sie durch das Einfangen erlitten haben. 
  • Die Schlachtungsmethoden sind primitiv - Ertränken und Erschlagen gehören zu den gängigen Methoden. Das damit verbundene Leid der Tiere ist unermesslich. 
  • Die Beweggründe für den Verzehr von Katzenfleisch variieren, sind aber stark mit Aberglauben, Medizin und der Ernährungstradition verbunden. 
  • Es gab ein Gesetz, das die Jagd, Schlachtung und den Verzehr von Katzen verbot. Dieses könnte wieder eingeführt werden.

Die jüngste COVID-19 Pandemie zeigt, welche Gefahren von Lebendtiermärkten für die weltweite, öffentliche Gesundheit und Sicherheit ausgehen. Landesweite Recherchen haben gezeigt, dass die Märkte, Schlachthöfe und Restaurants, die in den vietnamesischen Katzenfleischhandel involviert sind, auch in Verbindung zu dem illegalen Handel mit Wildtieren und Hundefleisch stehen. Die Märkte weisen zudem nahezu identische Bedingungen auf, unter denen vermutlich COVID-19 in Wuhan (China) entstanden ist. Um eine mögliche zukünftige Pandemie zu verhindern und die öffentliche Gesundheit zu schützen, muss der Handel mit Katzenfleisch beendet werden.

VIER PFOTEN und die Change For Animals Foundation fordern die vietnamesische Regierung auf, unverzüglich strenge Massnahmen zu ergreifen, um Gesetze und Vorschriften durchzusetzen und zu stärken, die sowohl den Handel, als auch das Schlachten und den Verzehr von Katzen untersagen. Als Grundlage dafür dienen die extreme Grausamkeit, das illegale und gefährliche Vorgehen, sowie das Risiko für die öffentliche Gesundheit und Sicherheit durch die Diebstähle von Haustieren.

Quellenverweis

[1] Circular 09/1998-CT-TTg. (1998)
Katzen in Vietnam

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